Page 20 - Hund & Jagd Nr.1
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Rund um den Hund
„Wir sind noch nicht
ganz zufrieden...“
Interview mit Prof. Hans Wunderlich
Professor Hans Wunderlich gilt nicht nur als Nestor
des Jagdgebrauchshundewesen in den neuen Bun-
desländern. Als langjähriger Tierschutzbeauftragter
des JGHV prägte er auch das Prüfungswesen für
Jagdhunde in Gesamtdeutschland.
Hund & Jagd: Prof. Hans Wunderlich:
Die Schwarzwildgatter sind nach über zehn Jahren in den Wir haben gegenwärtig 18 aktive, behördlich genehmigte
alten und neuen Bundesländern angekommen. Stellt Sie das Schwarzwildgatter bundesweit. Es ergibt sich die Frage:
zufrieden? Wieviel Schwarzwildgatter braucht das Land? Diese Frage
Prof. Hans Wunderlich: kann die Kompetenzgruppe nicht kompetent beantworten.
Zufrieden eher nicht – aber wir haben wohl vieles richtig ge- Das muss regional von den Jägerschaften beantwortet wer-
macht. den.
Hund & Jagd: Vermutlich wird es im Jahr 2018 bundesweit 22 genehmigte
Gatter geben. Jawohl, das bedeutet aus heutiger Sicht: flä-
Betrachtet man sich die Entwicklung in den verschiedenen chendeckende Möglichkeiten.
Bundesländern der letzten Jahre, kann man zu der Auffas- Der Schwerpunkt der Kompetenzgruppe liegt nicht in der
sung gelangen, dass die Arbeit im Schwarzwildgatter die Neugründung weiterer Schwarzwildgatter.
einzige unumstrittene Ausbildung von Jagdhunden an leben-
dem Wild ist. Woran liegt das? Hund & Jagd:
Prof. Hans Wunderlich: Sie und das Kompetenzteam haben von Anfang an größten
Wert darauf gelegt, dass die Dachverbände JGHV und DJV
Die Gatter sind etabliert und werden weitgehend anerkannt. möglichst wenig Einfluss bei Einrichtung und Betrieb der
Unumstritten sind sie nicht. Es ist ein sensibler Bereich, der Gatter bekommen. Warum?
aufmerksam beobachtet wird. Wir setzen auf Transparenz
und korrekte Einhaltung selbstauferlegter Regeln (Leitlinien). Prof. Hans Wunderlich:
Die Rechtskonformität unserer Gatterarbeit beruht auf dem Hier gibt es ein Missverständnis. Wir haben immer Partner-
Verhältnismäßigkeitsprinzip nach § 20 des Grundgesetzes. schaften in Verbänden angestrebt und haben es beim DJV
Wir belegen das gesamtgesellschaftliche Interesse für die- erreicht. Mehrere Landesjagdverbände sind Betreiber von
ses Mittel Schwarzwildgatter als Bestandteil der Strategie, Schwarzwildgattern nach den Regularien der Kompetenz-
Schwarzwild in der Population kurzzuhalten. gruppe. Was den JGHV betrifft, akzeptieren wir die Haltung
der JGHV-Führung, nicht auch noch mit den Schwarzwild-
Das Mittel Schwarzwildgatter ist „geeignet“ – also eine Maß- gattern belastet zu werden.
nahme, mit der das angestrebte Ziel erreicht werden kann. Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit einer Vielzahl
Es ist „erforderlich“, weil es dazu keine andere Alternative der Mitgliedsvereine des JGHV.
gibt. Und das Mittel ist „angemessen“, weil verhältnismäßig Hund & Jagd:
nach Abwägung der Rechtsgüter. Somit wird der „Vernünftige Wo sehen Sie die besonderen Herausforderungen des Kom-
Grund“ nach § 1 Tierschutzgesetz erreicht. petenzteams in den nächsten Jahren?
Prof. Hans Wunderlich:
Diesen Handlungsraum nutzen und respektieren wir im ge- Mit einer Veränderung der Gesamtsituation verschieben sich
samtgesellschaftlichen Interesse. Ich glaube, das gibt uns hier auch die Prioritäten. Der Schwerpunkt wird in der Konso-
die Akzeptanz. lidierung der Arbeit der einzelnen Schwarzwildgatter liegen.
Hund & Jagd: Wir meinen, dass die Effizienz der Gatter für die Hunde zur
Wir haben derzeit 18 Gatter in Deutschland. Diese Form der Schwarzwildjagd nicht in einem gelegentlichen Besuch eines
Jagdhundausbildung ist also fast flächendeckend möglich. Schwarzwildgatters liegt, sondern in einem systematisch
Gibt es aus Ihrer Sicht noch Entwicklungsmöglichkeiten? aufbauenden Kurs für junge Hunde.
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