Page 17 - Hund & Jagd Nr.1
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Titelthema
Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Angeklagten gewählte RHC – keine externe Beurteilung der
Nachgewiesen wurden dem Mann und seiner Lebensgefähr- für die Zuchtzulassung erforderlichen HD-/ED-Aufnahmen
tin 23 Fälle, wobei es in drei Fällen beim Versuch geblieben durch anerkannte Gutachter vorschreibt, deutlich eher in der
sein soll. Verantwortung steht, bei mitgeteilten Erkrankungen der ge-
Die beiden Angeklagten betrieben seit geraumer Zeit bis züchteten Welpen tätig zu werden.“
2014 eine Hundezucht unter anderem mit Labradoren. Nach Aber die Angeklagten wurden nicht tätig. „Stattdessen ver-
mehreren Durchsuchungen der Zuchtstätten durch Polizei wandten sie nunmehr lediglich ganz regelmäßig den Zusatz-
und Veterinäramt wurde unabhängig von dem Gerichtsver- bogen zum Kaufvertrag, in dem vermerkt ist, dass „fast aus-
fahren ein Verbot der Hundezucht ausgesprochen. schließlich“ HD- und ED-freie Hunde in der Zucht eingesetzt
Der Züchter war Mitglied im „Rassehundeclub“ (RHC) und werden. In der Urteilsbegründung heißt es wörtlich: „Dieses
im „Deutschen Rassehundeclub“ (DRC). Beiden Zuchtverei- Verhalten belegt zur Überzeugung des Gerichts, dass die
nen gemeinsam war, dass Röntgenbilder auf Hüftgelenks- Angeklagten die ihnen erteilten Hinweise der Käufer auf
dysplasie (HD) oder Ellenbogengelenkdysplasie (ED) nicht Erkrankungen der Welpen sehr wohl zur Kenntnis nahmen
von unabhängigen und speziell auf dem Gebiet der Skelett- und den naheliegenden Schluss auf eine genetische Veran-
erkrankungen geschulten Gutachtern bewertet wurden. In lagung eines Zuchtrüden für das Auftreten von HD zogen,
beiden Zuchtvereinen konnte jeder beliebige Tierarzt dazu diesen trotzdem weiterhin ohne jede Überprüfung oder je-
Stellung nehmen. Die Richterin kritisierte: „...dass der von denfalls Rückfrage zur Zucht einsetzten.“
den Angeklagten gewählte Zuchtverband - anders als die Sämtliche gehörten Zeugen, die den Angeklagten von den
dem VDH angehörenden Verbände - keinerlei unabhängige Erkrankungen der Welpen berichtet hatten, gaben an, dass
Begutachtung der für die Zuchtzulassung relevanten Rönt- die Angeklagten abwehrend und unwisch reagiert hätten. In
genbilder forderte, sondern die Erstellung und Auswertung keinem Fall seien sie interessiert gewesen, sich der Sache
der HD- und ED-Röntgenbilder durch einen beliebigen Tier- anzunehmen. Die Angeklagten handelten nach Überzeu-
arzt erlaubte und nicht einmal die Übersendung der fragli- gung des Gerichts nach dem Motto: „Dass nicht sein kann,
chen Bilder an den Verein verlangte“. Eine externe Kontrolle was nicht sein darf.“
habe folglich nicht stattgefunden. Offenbar, um die Elternschaft einer kranken Hündin zu ver-
Als Ergebnis der Hauptverhandlung gegen die beiden Züch- schleiern, wurde in mehreren Fällen eine andere Hündin als
ter stand fest, dass mit Hunden gezüchtet wurde, denen ein Mutter der Welpen angegeben. Das Gericht befand: „Dass
Tierarzt HD- und ED-Freiheit bescheinigt hatte. Tatsächlich einem verantwortungsvollen Züchter eine Verwechslung bei
litten die Tiere teilweise an schwerer HD und ED. Gegen den der Feststellung der Mutter eines Wurfs unterläuft, hält das
Tierarzt läuft ein gesondertes Verfahren. Gericht für ausgeschlossen. Hier haben die Angeklagten viel-
Den Welpenkäufern, die die Welpen zu Preisen zwischen mehr bewusst dem Zuchtverein gegenüber falsche Angaben
500 und 1000 Euro erwarben - wurde versichert, die Eltern- gemacht, um so eine (vermeintliche) Inzucht zu verschleiern.
tiere seien frei von HD und ED. Gleichwohl mussten sich die Das zeugt von einer nicht unerheblichen kriminellen Energie
Welpenkäufer schriftlich verpflichten, keine Forderungen zu und widerlegt die von den Angeklagten während des gesam-
stellen, sollten die Welpen später dennoch erkranken. In den ten Verfahrens zur Schau gestellte Darstellung einer stets
meisten der angeklagten Fälle kam es denn auch so: Die alle Vorschriften und Grundsätze einer verantwortungsvollen
Tiere erkrankten zum Teil schwer. Die Besitzer hatten Tier- Hundezucht einhaltenden Handlungsweise.
arztkosten von bis zu 5000 Euro. Die Angeklagten gingen zur festen Überzeugung des Gerichts
Hierzu die Richterin: „Gerade weil es sich bei dem Angeklag- davon aus, dass die jeweiligen Käufer die Kaufverträge über
ten um einen Züchter handelte, der, so seine wiederholten die Welpen zu dem vereinbarten Preis nicht abgeschlossen
Angaben im Rahmen der Hauptverhandlung, seit diversen hätten, wenn sie von der Erkrankung der Elterntiere erfahren
Jahren die Hundezucht betrieb und sich entsprechendes hätten. Auch war den Angeklagten als Züchter bekannt, so
Fachwissen angeeignet hatte, ist das Gericht davon über- das Gericht, dass durch die Verpaarung erkrankter Eltern-
zeugt, dass die Angeklagten um die Erblichkeit der HD- und tiere ein gegenüber in der Rasse der Labradore liegendes
ED-Erkrankung wussten und auch um die deutlich strenge- Basisrisiko (11,6 Prozent) signifikant erhöhtes Risiko für eine
ren Zuchtordnungen der anderen Zuchtverbände.“ Es stehe Erkrankung bestehe.
einem Züchter natürlich frei, sich einem Zuchtverband seiner Die Freiheitsstrafen wurden zur Bewährung ausgesetzt, weil
Wahl anzuschließen. Er sei sicherlich nicht verpflichtet, einen die Angeklagten nicht vorbestraft sind und weil das zustän-
solchen mit einer strengen Zuchtordnung zu wählen. „Gleich- dige Veterinäramt eine Wiederholung durch ein Zuchtverbot
zeitig muss einem verantwortungsvollen Züchter aber klar unwahrscheinlich gemacht habe.
sein, dass er bei einem Zuchtverband, der – wie der von den Tobias Paulsen
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