Page 67 - Hund & Jagd Nr.1
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Vereine & Verbände
Peter Winerath: nisation – in der Erkenntnis, dass niemand allein alles wissen
Grundsätzlich ja. Werner Rohe hat nie behauptet, die flugfä- kann, greifen wir auf Daten zurück, die wir anhand bewährter
hige Ente sei gleichwertig. Er hat lediglich behauptet, unter Prüfungen gewinnen und auszuwerten wissen. Und zwar in
bestimmten Bedingungen könne mit ihr die Brauchbarkeit einer Breite und Dichte, dass es für die Zucht und auch für die
eines Hundes geprüft werden, ohne sich hierbei festzule- Gesamtheit der Jagdhunde unwesentlich ist, wenn einzelne
gen, was er genau darunter versteht. Jagdkynologisch gibt betrügen oder unseren Verband missbrauchen. Dafür wer-
es eigentlich keinen Streit im Grundsatz. Auch nicht mit dem den wir weltweit geachtet und genau das gilt es zu verteidi-
LJV. Wir streiten tatsächlich über Politik. Ist es politisch sinn- gen. Ich verweise auf die Anmerkungen von Jan Knoop, die
voll, die flugfähige Ente zu erhalten, indem man Schwächen jetzt auch auf der Internetseite des JGHV veröffentlicht sind
schon gar nicht feststellen will, auch um den Preis, dass da- und die ich ganz hervorragend finde. Egal, was wir züchten,
mit andernorts die Müller-Ente in Frage gestellt wird? Und gilt es, unsere Unabhängigkeit gegen unberechtigte Eingriffe
diese politische Frage beantwortet im LJV nicht der Obmann, Unwissender oder selbst ernannter Fachleute gemeinsam zu
sondern das Präsidium im Benehmen mit dem Landesvor- verteidigen, auch wenn wir nicht unmittelbar betroffen sind.
stand, dem alle Vorsitzende der Kreisjägerschaft und der as- Wir Hundeleute sind doch die Leistungsträger des Jagdwe-
soziierten Verbände angehören – mithin auch ich. sens. Wir investieren viel in unsere Hunde, arbeiten mit ih-
Vielleicht wäre es auch gegenüber Werner Rohe undankbar, nen auf der Jagd, teilweise unter Beanspruchung unserer
ihn fallen zu lassen, nachdem er zunächst dafür sorgte, dass letzten Kräfte, wenn es gilt, krankes Wild nachzusuchen, zu
der LJV seine Politik betreiben konnte. Für mich ist das nicht erlösen und zu bergen. Mit unseren Stöberhunden kämpfen
entscheidend. Selbst wenn es auch in der Funktion des Ob- wir uns durch schweres Gelände und Dornenbewuchs. Und
manns eine Ablösung gäbe, bedeutet das nicht, dass das im Feld sind wir die ersten, die in enger Zusammenarbeit
Präsidium des LJV der JKV NRW Vertrauen schenkt. Das mit unseren Vorstehhunden Wild wahrnehmen, Schützen
werden wir uns erarbeiten müssen. Und hierbei dürfen wir hinweisen und ihnen zu einem erfolgreichen Schuss verhel-
die vorrangigen Interessen jener, die uns gewählt haben, fen. Und wir sind die letzten, die nach getaner Nach- und
nicht aus den Augen verlieren. Das ist vielleicht der eigent- Verlorensuche und Versorgung der Hunde auf einem Schüs-
liche Vorwurf, dem man dem Vorgängervorstand machen seltreiben erscheinen, um vielleicht noch Reste eines Buffets
muss, aber letztlich auch zu einer Ablösung geführt hat. zu bekommen. Wenn wir uns als Hundeleute wechselseitig
nicht respektieren und unterstützen, können wir nicht erwar-
ten, dass andere es tun. Eine weitere Herausforderung sind
Hund & Jagd: „moderne“ Ausbildungs- und Prüfungsmethoden, die bei nä-
JGHV-Präsident Werner Horstkötter ist auf Sie aufmerksam herer Betrachtung alles andere als neu oder modern sind.
geworden und hat Sie gefragt, ob Sie seine Nachfolge antre- Unsere Jagdgebrauchshunde sind Familienhunde, die nur
ten wollen. Was haben Sie ihm geantwortet? noch gelegentlich im Zwinger leben und am Familienleben
teilhaben. Sie sind die Spielkameraden unserer Kinder und
Peter Winerath: Beschützer unserer Frauen. Sie gleichwohl konsequent zu
Ich habe ihm meine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert erziehen, ist eine große Herausforderung, die wir nicht allein
für den Fall, dass sich kein Besserer findet. Ersthundeführern überlassen können, die bereit sind, Wel-
penspieltage anzuleiten. Auch hier ist Zusammenarbeit und
enger Austausch aller Mitgliedsvereine gefragt, Wege der
Hund & Jagd: Ausbildung zu erarbeiten, die zu keiner Leistungseinbuße
Auf die nächste Frage könnten Sie vermutlich stundenlang führen. Gehorsamsfächer aufzuweichen und mit Anforderun-
antworten. Aber was würden Sie im JGHV sofort ändern, gen der Jagd oder der Gesellschaft zu erklären, ist für mich
wenn Sie dort Verantwortung übernehmen würden? der falsche Weg: ein Hund, der auf einer Prüfung nicht aus-
reichend gehorsam ist, wird es auf der Jagd niemals sein und
Peter Winerath: ist unbrauchbar. Etwa die Frage, ob ein Vorstehhund auf der
Schwer zu sagen. Ich halte wenig davon, etwas zu verän- Drückjagd etwas verloren hat, stellt sich für mich nicht – er
dern, was man im Einzelnen überhaupt noch nicht kennt. muss sich auch hier gehorsam zeigen und von der Hetze ab-
Mich begeistert die Idee, die hinter unserem organisierten halten lassen. Es ist Aufgabe der Zucht, Hunde zu schaffen,
Jagdgebrauchshundewesen steht – der brauchbare Hund für die sich hierzu ausbilden lassen. Daran müssen wir festhal-
die waidgerechte Jagd, dem in der Zucht, Ausbildung und ten, wenn wir weiter den Anspruch erheben, Jagdgebrauchs-
Prüfung alles untergeordnet wird. Der JGHV ist trotz seines hunde – und nicht nur eine Jagdhunderasse – zu züchten.
langjährigen Bestehens tatsächlich eine hochmoderne Orga- (Das Interview führte Tobias Paulsen)
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