Page 90 - Hund & Jagd Nr.1
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Material & Märkte
ein solches Indiz für Natürlichkeit zeigt. Für Waffentaschen
ist es für mich sogar sehr wichtig, im Leder das Schussloch
mit einzuarbeiten, wenn wir mit Hirschleder arbeiten.“
Es ist natürlich klar, dass man bei Bestellung einer
Lederarbeit nicht damit rechnen kann, dass diese wie bei
Onlineshops am nächsten Tag bereits im eigenen Brief-
kasten liegt. Martin und seine Lebensgefährtin legen
großen Wert darauf, ihre Arbeiten ohne Stress und mit
viel Liebe und Hingabe zu bauen. Auch wenn ihnen dadurch
sicher Umsatz verloren geht, ist es ihnen wichtig, dass sie
jedes einzelne Stück mit Stolz verpacken und sicher sein
können, eine einzigartige Arbeit geleistet zu haben. „Oft
muss ich mich sogar durchsetzen, wenn mein Schatz mal
lieber wieder eine Tasche für sich behalten möchte, als
sie zur Post zu bringen“, erzählt Martin schmunzelnd. Ich
frage, was er schätzt, wieviele Hundehalsbänder sie schon
gebaut haben. „Über 500 Stück werden es schon gewe-
sen sein“, antwortet er. „Und“ – darauf ist er zurecht stolz
– „bis heute ist noch keine einzige Reklamation gekommen.
„Ich arbeite hier oben mitten in der Natur. Eine unglaubliche Einzig Messfehler der Kunden“ (ich ertappe mich dabei,
Inspiration. Weg vom Rummel und Lärm der Zivilisation kann
ich hier meine ganze Konzentration auf meine Werkstücke
legen. Ich bin kein gelernter Sattler. Ich bin Lederkünst-
ler. Meine Arbeiten entstehen nach und nach. Nur selten
weiß ich, wenn ich etwas zu bauen beginne, wie es am
Schluss aussehen wird. Meine Werkstücke haben eine
Seele. Sie sind nicht nach einer festen Vorgabe oder ei-
nem Plan erstellt. Kundenwünsche werden besprochen und
dann mit Kreativität umgesetzt. Dabei entsteht eine Eigen-
dynamik. Meist komme ich komplett ohne Messband aus...
alles entsteht Schritt für Schritt und durch Anpassen und
Abstimmen. Große Serien wie aus einer Fabrik gibt es nicht
bei mir. Es ist auch gar nicht möglich. Ich arbeite einen
ganzen Tag an einer einzigen Tasche. Drei oder vier
Hundehalsbänder sind vielleicht möglich.“
Das Material, mit dem Martin arbeitet, ist in erster Linie
pflanzlich gegerbtes Leder aus Siebenbürgen. „Ich habe
einige Jahre in den Karpaten gelebt und bekomme einzig-
artiges Leder aus einer kleinen Familiengerberei. Natur-
belassen, nicht gewalzt oder gebleicht. Ein Traum für
Punzierarbeiten. Für mich ist die Qualität des Leders sehr wie ich verschämt nach unten auf die Tischkante gucke)
wichtig.“ Ich lasse mir einige Lederstücke zeigen und „haben schon dazu geführt, dass wir ein Halsband noch
beginne, ihn zu verstehen. Das Leder hat keine homoge- mal bauen mussen. Das tut uns stets sehr leid, auch
ne, künstlich wirkende Oberfläche, sondern eine Lederhaut wenn wir nichts dafür können. Natürlich kann es auch mal
in ihrer Ursprünglichkeit. „Qualitätsmerkmale sind für mich vorkommen, dass ein Materialfehler zu einem Schaden
Narben, Zeckenbisse und Kratzer. Sie sind der Beweis führt. Für uns ist es ganz selbstverständlich, dass wir so
eines in seiner Natürlichkeit unangetasteten Leders. Meine etwas ohne Mehrkosten reparieren oder sogar neu fertigen.
Arbeiten zeichnen sich aus durch solche Merkmale. Kaum Das kommt aber sehr, sehr selten vor, da wir immer das
eine Tasche oder ein Etui, das auf seiner Oberfläche nicht beste Material aussuchen.“
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